«Aanaatt» Max Hattler

‚Aanaatt‘ · Max Hattler · 2008 · 1min teaser (original: 4min 45sek)
Animation: Max Hattler, Noriko Okaku · Musik: Jemapur


Kurzes Interview

Kannst du dich bitte kurz vorstellen.



ich komme aus ulm an der donau. hippieeltern, waldorfschule. elektronische musik machen und konsumieren und abi in franfurt am main. zivildienst in england. ein jahr in paris. bachelorstudium goldsmiths college in london. european master in visual effects in madrid. zwei jahre als compositor und editor bei das werk in berlin. studium master in animation am royal college of art, london. seit dem abschluss 2005 weiterhin in london als freier kuenstler und regisseur. experimentalfilme, live audiovisuals, musikvideos, auch mal werbung. dozent am goldsmiths college und der university of east london.



Wie sieht ein Tag in deinem Leben aus?



das ist immer unterschiedlich. mal tage- und naechtelang zu hause vor dem rechner, dann wieder nine-to-five im studio oder an der uni. auch bin ich relativ viel mit meiner arbeit unterwegs. zuege, fluege, fremde hotels, festivals, clubs. ich liebe und brauche diese abwechslung, da ich hauptsaechlich mit animation arbeite, was auf die dauer extrem langatmig und auch schon mal langweilig sein kann.



Was bedeutet Aanaatt? 



nichts… aber als katalogeintrag bei filmfestivals steht es meist ganz oben, hehe.



Was hat dich zu dieser visuellen Sprache inspiriert?



einerseits de stijl, konstuktivismus und moholy-nagy, andererseits war es eine reaktion auf die unzaehligen filme und werbeclips die sich der computeranimation bedienen um einfache animierte geometrien zu erzeugen und diese mit realfilm verschmelzen. ich hatte den wunsch einen film zu machen der reales und abstrakt-grafisches verbindet, jedoch ohne digitale animation oder effekte auskommt.



Und kannst du etwas zu Planung, Umsetzung, Unfällen, Überraschungen usw bei diesem Projekt erzählen?



aeusserst gluecklich fuer das projekt war, dass produktdesigner hans (nick) roericht, professor emeritus der udk, mir zugang zu seiner werkstatt gestattete: ein sammelsurium wundersamer objekte von den 1960er jahren bis heute. also packte ich zwei koffer voll merkwuerdiger objekte aus metall, holz und plastik und liess sie vor nick’s werkstatt stehen um sie alsbald abzuholen und nach london mitzunehmen. fuenf minuten spaeter war die polizei vor der tuer – sie hatten einen anonymen anruf bekommen – und wir mussten ihnen erklaeren dass es alles fuer einen film ist und nicht zum bau einer retro-futuristischen bombe.



Wie kommt es zu der Zusammenarbeit mit den japanischen Künstlern? Wer ist Noriko Okaku oder Jemapur?



jemapur ist ein junger elektronica-musiker aus shizuoka. seine cd+dvd ‘evacuation’ wurde im november 2008 von w+k tokyo lab veroeffentlicht (incl. dem aanaatt video). im april/mai 2008 war ich mit robert seidel auf fuenfwoechiger japantour. wir hatten 23 events am start, retrospektiven unserer arbeiten als teil von zwei filmfestivals, vorlesungen und screenings an hochschulen und in kunstkinos, eine ausstellung, live audiovisual performances und vj sets mit diversen musikern und djs. dieser geballte frontalangriff hat uns einige tueren und herzen geoeffnet, nicht zuletzt die der jungs von w+k tokyo lab (das tokyo-basierte record label der werbeagentur wieden+kennedy). und so kam es zu der zusammenarbeit mit jemapur. mit noriko okaku habe ich am royal college of art studiert. sie macht sehr schoene sachen die ein bisschen an lawrence jordan oder terry gilliam’s python-animationen erinnern. noriko ist eine stop-motion expertin und war eine wahnsinnige bereicherung fuer das projekt. sie hat auch bei meinen tour visuals fuer basement jaxx mitgearbeitet, und momentan zeigen wir die von abandon normal devices kommissionierte live a/v performance ‘oh yes’ auf verschiedenen festivals.



Du verwendest in deinen Arbeiten Video und verschiedenste Animations-Techniken wie Zeichnung oder Stop-Motion. Probierst du einfach gerne spielerisch was neues aus oder sind das inhaltliche Entscheidungen?



das liegt auf jeden fall daran, dass mir schnell langweilig wird, ich probiere gerne neues aus. ich erlaube mir dass sich der stil dem thema anpasst, und nicht umgekehrt. insofern sind es letztendlich inhaltliche entscheidungen die die technik bestimmen. ich habe es bis jetzt nicht geschafft bzw. auch nicht fuer noetig gehalten, einen rein visuell wiedererkennbaren stil zu entwickeln. aber ich denke es gibt trotzdem insgesamt uebergreifende wiedererkennungspunkt in meinem ansatz, meiner arbeitsweise, wie ich mich mit aesthetischen, narrativen und audio/visuellen mitteln mit meine themen auseinandersetze.



London sei teuer, hört man immer wieder. Lebst du von deiner Kunst? Oder wie sieht das bei dir aus? 



london ist schon teuer, da muss man sich etwas arrangieren. grosse wohnung alleine beziehen geht leider gar nicht bei meinen vorstellungen von kuenstlerischer unabhaengigkeit und relativer freiheit von geregelten arbeitszeiten. wie schon oben kurz erwaehnt: die mischung macht’s. dozieren zahlt die miete, audiovisuelle performances das taschengeld und die reisekasse. dann hin und wieder filmfoerderung, mal was verkaufen, mal ein werbeclip oder musikvideo. so kommt man hin. so weit so gut, und ich hoffe es geht weiter.



Hast du einen Wunsch für die Zukunft?


jetzt erst mal mit meinem momentanen kurzfilm ‘spin’ fertig werden. dann denke ich ueber die zukunft nach… ich hab da schon einige wuensche fuer die zukunft, aber nichts ist momentan spruchreif.


Link: www.maxhattler.com

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