«Behind the Curtain» Bettina Disler
Behind the Curtain (lineare version) · Bettina Disler · 2006
-
kurzes Interview
Bei deinen Arbeiten geht es oft um die Abgründe die sich hinter schönen Kulissen auftun, um in der Dunkelheit verborgene Ängste und Dramen…
Mich interessiert es, Zustände der Ungewissheit einzufangen, Ängste auszuloten und eine Sprache für ‘den Raum zwischen den Ereignissen’ zu finden. Das vermeintlich Schöne an meinen Arbeiten soll den Betrachter ‘locken’, um ihn zwischen Anziehung und Abstossung mit verlängerten Momenten des Unbehagens zu konfrontieren. Ich durchbreche gerne die Erzählstruktur und wähle deshalb in meinen Arbeiten oft tableauartige Sequenzen ohne Anfang und Ende. Nur so kann ich einem Zustand Raum geben, indem ich ihm die Zeit stehle, bzw. durch einen Endlosloop Zeit gebe.
Wie kommst Du zu diesen Geschichten? Erfindest Du sie? Träumst Du sie? Oder sind es gefundene Geschichten anderer Menschen, die Du dann umsetzt?
Diese Momente, die ich in meinen Arbeiten festzuhalten versuche, finde ich in zwischenmenschlichen Beziehungen wieder; Verlustängste, Macht und Ohnmacht, Abhängigkeiten, Wünsche, Grenzüberschreitungen. Es ist ein ständiges hin- und hergerissen sein zwischen Begehren und Ausbrechen, Themen, mit denen man sowohl im alltäglichen Leben, als auch in Träumen konfrontiert wird. Wie ein Schwamm sauge ich all diese Eindrücke auf und mit der Zeit verdichten sie sich zu Bildern, die ich dann in meinen Arbeiten verwende.
Deine Arbeiten sind sehr märchenhaft, beinhalten viele Symbolische und traumhafte Elemente… Kannst Du dazu etwas sagen?
In gewisser Weise arbeite ich ‘märchenhaft’; dieser Eindruck entsteht wohl deswegen, weil ich meine Welten selber erfinde und man sich wegen ihrer Abstraktheit an vorhandenen, so genannten ‘Symbolen’ zu orientieren versucht. Dabei sollte man aber aufpassen, dass man bei Deutungsversuchen meiner Arbeit nicht zu kunsthistorischen Mustern greift. Ich spiele sehr wohl auch mit Symbolen, sie inspirieren mich und es gibt eine Menge Möglichkeiten, mit den Bedeutungen, die ihnen anhaften, umzugehen.
Mir gefallen diese künstlichen, Inszenierten Räume und Landschaften und auch die Kombination mit dem Videobild.
Wie arbeitest Du technisch? Arbeitest Du mit 3D-Programmen? Wie kommt es zu diesen starken Bildkompositionen?
Ich arbeite mit 3D Programmen, weil sie mich in meinem Denken befreien und ich mir so meine eigenen Welten bauen kann. Es macht mich unabhängiger und es erinnert mich stark an das Theater; da baut man auch für jedes Stück eine eigene Welt. Doch im Unterschied zur reinen Guckkastenperspektive habe ich im Medium Video die Möglichkeit, meine Welten von allen Seiten her zu bespielen. Den ‘Live’-Charakter, den das Theater mit sich bringt und den ich sehr mag, kann ich in einer Weise auch mit meinen Videoinstallationen erreichen.
Du arbeitest oft mit Bernd Schurer zusammen. Vertont er deine Bilder? Oder entsteht beides parallel?
Bernd Schurer ist ein wunderbarer Künstler. Durch seine Musik gewinnen meine Arbeiten eine weitere Dimension, und sie haben so die Möglichkeit, auch raumübergreifend zu wirken. Schurers Klänge sind rein synthetisch, also im Computer generiert und das finde ich so spannend daran, dass er mit seinen Tönen Welten schafft, die einen berühren, die weiter gehen, als einfach nur die Tonleiter rauf und runter. Seine Musik inspiriert mich sehr, sie hat etwas ‘Reinigendes’, etwas ganz Klares und gleichzeitig etwas ‘Störendes’, im Sinn von ‘Ecken und Kanten’.
Ich zeige ihm das Video meistens, wenn es schon fertig geschnitten ist. Er ist ein sehr kritischer und intelligenter Partner und ich kann ihm absolut vertrauen, dass er meine Arbeit so versteht, wie ich sie sehe. Oft setzt er meinen Bildern auch etwas entgegen, indem er sie leichter macht, wo sie schwerer sind und umgekehrt. Dann kann es manchmal sogar vorkommen, dass ich meine Arbeiten erst mit seinem Sound richtig begreife…
-
Link: www.konstrukt.ch
