«Fallen» Kilian Rüthemann
Fallen · Kilian Rüthemann · 2003
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Kurzes Interview
Um was geht es bei dieser Arbeit?
In diesem Video habe ich erstmals begonnen, essenzielle Themen der Bildhauerei wie Gravitation oder Gleichgewicht nicht mittels Skulptur sondern mit ebendiesem Medium zu untersuchen. Die Schnitte sind genau dort platziert, wo der Körper vom Stehen ins Fallen übergeht. Das simple aneinander reihen dieses Vorgangs verursacht eine Gleichzeitigkeit von leicht und schwer und ist als eine Art Video-als-Skulptur zu sehen.
Welche Themen beschäftigen dich zur Zeit in deiner Arbeit?
Sich auf der Erde aufzuhalten bedeutet eine ewige Anstrengung im Kampf gegen die Schwerkraft. Gleichzeitig hält diese Kraft das ganze Universum zusammen. Dabei ist sie noch immer nicht vollständig erforscht.
Die Unternehmung in meinen Installationen, Skulpturen und Videos ist das Unterlaufen von Gravitation oder aber ein Kooperieren mit ihr. Die so sichtbar gemachten versteckten Qualitäten in den Materialien, Körpern und Räumen verdeutlichen das Potenzial dieser physischen Kraft. Dabei beschränke ich den bildhauerischen Eingriff oftmals auf das Festlegen von einigen wenigen Parametern und lasse das Material den Rest machen.
Du arbeitest mit verschiedensten Materialien. Wie ist das Medium Video für Dich? Wann benutzt du es? Wie benutzt du es?
Auch Video benutze ich als Bildhauer. Damit lassen sich physikalische Wirkungen erzeugen, die im Raum nicht möglich sind hervorzubringen. Auf einer Zeitspur kann ich einen Vorgang aufzeigen, der sich oftmals hinter einer fertigen Skulptur befindet aber nicht mehr sichtbar ist. Meine Videos sind nicht narrativ. Meist Loops, funktionieren sie für mich als bewegte Skulpturen oder als ein Konzept von Skulptur. Oft verwende ich Videos nicht als eigenständige Werke, denn als Teil einer Installation. Oder ich lege mein Interesse mehr auf die skulpturale Präsenz eines Monitors oder Projektors als auf das Videobild.
Du bist ja zur Zeit in Istanbul. Wie gefällt es dir? Möchtest du darüber etwas sagen? Kannst du von einer Begegnung, einem speziellen Erlebnis erzählen?
Istanbul ist eine provisorische Stadt. Ob aus politischer oder städtebaulicher Sicht. Ist der türkische Staat als Konzept relativ jung und nicht wirklich funktionierend, spiegelt sich das in seiner inoffiziellen Hauptstadt wieder. An jeder Ecke wird etwas eingerissen oder aufgebaut, ausgebessert oder einfach liegen gelassen. Sei es im historischen Zentrum, in verarmten oder neureichen Vierteln oder an den Rändern der Metropole. Tag und Nacht! Die Atmosphäre einer in ständiger Verwandlung schwimmenden Stadt zeigt mir Möglichkeiten auf, die mir in einer wohlgeregelten, gesetzten Schweiz nicht einfallen würden.
Gibt es eine aktuelle Ausstellung von dir? Oder ist ein neues Projekt in Arbeit?
Für nächstes Jahr ist (für wenigstens ein Objekt) eine Umstellung des Mediums, oder besser des Arbeitsprinzips geplant. Dies soll eher einer Öffnung von Sichtweisen dienen als einer Irritation. Nicht erschrecken!
Link: www.younever.net
