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Archive for August, 2007

«Behind the Curtain» Bettina Disler

27.08.2007

Behind the Curtain (lineare version) · Bettina Disler · 2006
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kurzes Interview

Bei deinen Arbeiten geht es oft um die Abgründe die sich hinter schönen Kulissen auftun, um in der Dunkelheit verborgene Ängste und Dramen…
Mich interessiert es, Zustände der Ungewissheit einzufangen, Ängste auszuloten und eine Sprache für ‘den Raum zwischen den Ereignissen’ zu finden. Das vermeintlich Schöne an meinen Arbeiten soll den Betrachter ‘locken’, um ihn zwischen Anziehung und Abstossung mit verlängerten Momenten des Unbehagens zu konfrontieren. Ich durchbreche gerne die Erzählstruktur und wähle deshalb in meinen Arbeiten oft tableauartige Sequenzen ohne Anfang und Ende. Nur so kann ich einem Zustand Raum geben, indem ich ihm die Zeit stehle, bzw. durch einen Endlosloop Zeit gebe.

Wie kommst Du zu diesen Geschichten? Erfindest Du sie? Träumst Du sie? Oder sind es gefundene Geschichten anderer Menschen, die Du dann umsetzt?
Diese Momente, die ich in meinen Arbeiten festzuhalten versuche, finde ich in zwischenmenschlichen Beziehungen wieder; Verlustängste, Macht und Ohnmacht, Abhängigkeiten, Wünsche, Grenzüberschreitungen. Es ist ein ständiges hin- und hergerissen sein zwischen Begehren und Ausbrechen, Themen, mit denen man sowohl im alltäglichen Leben, als auch in Träumen konfrontiert wird. Wie ein Schwamm sauge ich all diese Eindrücke auf und mit der Zeit verdichten sie sich zu Bildern, die ich dann in meinen Arbeiten verwende.

Deine Arbeiten sind sehr märchenhaft, beinhalten viele Symbolische und traumhafte Elemente… Kannst Du dazu etwas sagen?
In gewisser Weise arbeite ich ‘märchenhaft’; dieser Eindruck entsteht wohl deswegen, weil ich meine Welten selber erfinde und man sich wegen ihrer Abstraktheit an vorhandenen, so genannten ‘Symbolen’ zu orientieren versucht. Dabei sollte man aber aufpassen, dass man bei Deutungsversuchen meiner Arbeit nicht zu kunsthistorischen Mustern greift. Ich spiele sehr wohl auch mit Symbolen, sie inspirieren mich und es gibt eine Menge Möglichkeiten, mit den Bedeutungen, die ihnen anhaften, umzugehen.

Mir gefallen diese künstlichen, Inszenierten Räume und Landschaften und auch die Kombination mit dem Videobild.
Wie arbeitest Du technisch? Arbeitest Du mit 3D-Programmen? Wie kommt es zu diesen starken Bildkompositionen?

Ich arbeite mit 3D Programmen, weil sie mich in meinem Denken befreien und ich mir so meine eigenen Welten bauen kann. Es macht mich unabhängiger und es erinnert mich stark an das Theater; da baut man auch für jedes Stück eine eigene Welt. Doch im Unterschied zur reinen Guckkastenperspektive habe ich im Medium Video die Möglichkeit, meine Welten von allen Seiten her zu bespielen. Den ‘Live’-Charakter, den das Theater mit sich bringt und den ich sehr mag, kann ich in einer Weise auch mit meinen Videoinstallationen erreichen.

Du arbeitest oft mit Bernd Schurer zusammen. Vertont er deine Bilder? Oder entsteht beides parallel?
Bernd Schurer ist ein wunderbarer Künstler. Durch seine Musik gewinnen meine Arbeiten eine weitere Dimension, und sie haben so die Möglichkeit, auch raumübergreifend zu wirken. Schurers Klänge sind rein synthetisch, also im Computer generiert und das finde ich so spannend daran, dass er mit seinen Tönen Welten schafft, die einen berühren, die weiter gehen, als einfach nur die Tonleiter rauf und runter. Seine Musik inspiriert mich sehr, sie hat etwas ‘Reinigendes’, etwas ganz Klares und gleichzeitig etwas ‘Störendes’, im Sinn von ‘Ecken und Kanten’.
Ich zeige ihm das Video meistens, wenn es schon fertig geschnitten ist. Er ist ein sehr kritischer und intelligenter Partner und ich kann ihm absolut vertrauen, dass er meine Arbeit so versteht, wie ich sie sehe. Oft setzt er meinen Bildern auch etwas entgegen, indem er sie leichter macht, wo sie schwerer sind und umgekehrt. Dann kann es manchmal sogar vorkommen, dass ich meine Arbeiten erst mit seinem Sound richtig begreife…
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Link: www.konstrukt.ch

«In Utero» Barbara Naegelin

16.08.2007

In Utero · Barbara Naegelin · 2007
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kurzes Interview

Kannst du kurz etwas über den Hintergrund dieser Arbeit sagen? Ausgangslage, Inspiration, etc…
Es handelt sich hier um eine Kunst-am-Bau-Arbeit im Auftrag des Amtes für Hochbauten der Stadt Zürich. Sie haben verschiedene KünstlerInnen eingeladen, für die LED-Wand im neugebauten Letzigrund Stadion ein Video zu produzieren. Ausgangslage war die Thematik: “Katharsis” – übertragen auf die Situation des Sportstadions, einem Austragungsort grosser Emotionen für eine grosse Masse von Menschen. Die Sportler als zeitgenössische Helden leiden und siegen sozusagen stellvertretend für die Menschen, was wohl als “reinigend” empfunden werden kann. Ich wollte etwas mit Bewegung machen, mit Alltag und mit einer “anderen” Realität. Also eben keine durchtrainierten Körper, keine Männer, kein Rasen.

Mir gefällt der Sound dieses Videos. Wie entsteht bei deinen Videos der Ton? Was für eine Rolle spielt er?
In diesem Fall wollte ich, dass das Video auch ohne Sound “funktioniert”, da ich nicht sicher bin, wie das dann effektiv im Stadion gezeigt wird. Und ich nehme an, die Geräuschkulisse dort wird sicher stark sein. Zunächst wollte ich deshalb nur ein paar kleine Geräuschakzente setzen, dann kam irgendwann auch Musik hinein. Ich habe mich aus der Erinnerung, also ohne sie mir wirklich anzuhören, an der Musik von Paul Dukas’ Der Zauberlehrling orientiert. Aber Sound spielt sonst in meiner Arbeit immer eine extrem grosse Rolle – er wird gleich bewertet wie das Bild. Manchmal ist ein Musikstück die Inspiration für eine Arbeit. Die Bildidee kommt dann erst im Nachhinein. Und ich liebe es einfach sehr, Musik zu machen. Daran führt kaum ein Weg vorbei.

Mir fällt auf, dass man in deinen Videos eigentlich immer nur dich als Darstellerin sieht. Hat das mit deiner sonstigen Performance-Tätigkeit zu tun?
Ich finde es ganz einfach praktisch, meine eigene Darstellerin zu sein, weil ich so den Verlauf der Arbeit selber kontrollieren kann. Letztlich verstehe ich die Figur, die ich verkörpere, eher als exemplarisch, sie sollte über meine Person hinausgehen. Es ist auch ein sehr intimer Akt, für die Kamera zu performen (ich mache das immer alleine, ausser bei diesem Video, da hat Iris Beatrice Baumann und ein Unterwasserteam die Kamera gemacht) und ich getraue mich viel mehr auszuprobieren als vor Publikum. Aber wenn ich dann das Video veröffentliche, bin ich natürlich auch immer sehr nervös. Ja, und manchmal denke ich, es wäre mal an der Zeit, ein anderes Gesicht in meinen Videos zu haben – besonders wenn ich meine Doku anschaue…

Ich habe den Eindruck bei deiner Arbeit geht es oft um Sozialkritik. Hier im speziellen um das gestresste Konsumverhalten, keinen “Schnauf” mehr zu haben, und den Versuch auszubrechen, sich zurück zu ziehen… Welche Themen beschäftigen dich?
Seit längerer Zeit beschäftige ich mich mit der Thematik, was Menschen tun, um glücklich zu sein – oder zu werden und habe so einen Übertitel für die meisten meiner letzten Arbeiten kreiert: The Trivial Pursuit of Happiness. Auch dieses Video steht eigentlich unter diesem Nenner: Die Freuden des Konsums und gleichzeitig der Stress, der damit verbunden ist. Die Tiefgarage ist für mich ein Ort, den ich als äusserst unangenehm empfinde und in dem ich mir jeweils kaum erlaube, einzuatmen. Die Protagonistin flüchtet sich in eine Traumwelt, die ja paradoxerweise voller Leichtigkeit ist, obwohl das Atmen dort gänzlich unmöglich ist. Und der Einkaufswagen hält sie auf dem Boden der Realität.

Gehst du immer von einem inhaltlichen Thema aus oder auch von Bildideen?
Eigentlich arbeite ich fast immer konzeptuell, d.h. von einer inhaltlichen Idee ausgehend. Aber manchmal ist es auch eine formale oder eine technische Idee wie z.B. bei “balanced indifference”. Bei diesem Video wollte ich mal ein Duett mit mir selber singen – interagierend auf zwei Monitoren. Nachdem ich das Lied dafür (something stupid von Sinatra) gefunden hatte, musste ich nur noch herausfinden, was sich dann zwischen diesen beiden Figuren auf den beiden Monitoren effektiv abspielen soll. Da habe ich sehr viel ausprobiert und stundenweise Material verworfen, bis ich dann erst herausgefunden habe, worum es im Ganzen eigentlich inhaltlich gehen könnte.

Was machst du momentan? Gibt es ein aktuelles Projekt oder bald eine Performance zu sehen?
Im Januar 07 traf ich im Internet auf die Fotos einer jungen Amerikanerin. Sie trat nach 9/11 der US-Armee bei und war für sechs Monate in Bagdad stationiert.
Ihre umfangreiche, kommentierte Bildersammlung sowie ihre täglichen Weblog-Einträge provozieren und inspirieren mich. Ihre ständige Selbstvergegenwärtiung und ihre Geschichte bildet die Basis für meine künstlerische Reaktion. Ich denke an ein Video in einem installativen Setting, allenfalls kombiniert mit einer Live-Performance. Auch dieses Projekt gehört in die Reihe: «The Trivial Pursuit of Happiness».
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Link: www.braingarden.ch