«Black Milk» Max Schmid
06.06.2007Black Milk · Max Schmid · 2002 · Künstlerische Mitarbeit: Beat Brogle · Musik: Knut Jensen & Silvia Buonvicini · Produzentin: Stella Händler · Kostüm: Clarissa Herbst
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kurzes Interview
Dieses Video ist ja ein Clip zu einem Song von Knut&Silvy. War das eine Auftragsarbeit mit bestimmten Vorgaben?
Beat Brogle und ich hatten gegenüber Knut&Silvy völlig freie Hand. Jeder von uns wählte einen Song von der CD “Days Of Dismantled Routines” aus, Beat “Candy Queen” und ich eben “Black Milk”. Knut&Silvy verlangten von uns keinerlei Konzept oder Projektbeschrieb. Da wir die Arbeiten aber finanzieren mussten, waren wir gezwungen den Geldgebern eine Vorstellung dessen zu vermitteln, was wir vorhatten.
Deine Arbeiten sind oft sehr komplex. Planst du vorher immer alles bis in Detail? Man hat den Eindruck, dass du erst ein umfassendes Drehbuch erstellst, wo schon alles, von den Handlungen der Schauspieler bis zu den komplizierten Bild-Effekten fertig drinsteht… ist das so? Oder planst du ev. bewusst Räume für den Zufall ein?
In Black Milk bin ich sehr spielerisch und assoziativ vorgegangen. Ich habe vor den Dreharbeiten mit den verschiedenen Ebenen, die der Song auf der stilistischen und inhaltlichen Ebene mitbringt experimentiert; Körper, Geschwindigkeit, Aggressivität, Verletzung, Haut, Roadmovie, Voodoo etc. Bei den Dreharbeiten waren die Experimentieranordnungen in etwa klar. Am Schnittplatz hatte ich dann genügend Material um weiter zu experimentieren. Gewisse Experimente nahmen einen völlig anderen Verlauf als geplant andere kamen mehr oder weniger so heraus wie erwartet. Ich arbeite nie mit einem Drehbuch aber ich versuche die Experimente möglichst präzise zu planen.
Arbeitest du alleine? Oder gibt es Kollaborationen?
Ich versuche wenn immer möglich mit Leuten zusammen zu arbeiten. Stella Händler ist bei fast jeder Arbeit eine wichtige Partnerin. Mit Beat Brogle habe ich verschiedene Arbeiten gemacht. Knut Jensen hat für die meisten den Ton gemacht und einige SchauspielerInnen sind auch immer wieder dabei.
Wie kommst du zu diesen speziellen Effekten? Ist das hauptsächlich harte Knochenarbeit, indem du Frame für Frame bearbeitest? Vielleicht kannst du ein Beispiel verraten?
Einerseits gehe ich oft von einem inneren Bild aus, manchmal auch von einem bestimmten Gefühl. Andererseits finde ich die Videotechnik oder auch Filmtechnik wenn man spielerisch mit ihr umgeht sehr inspirierend. Oft weiss ich nachher nicht mehr ob zuerst ein technisches Experiment oder eine inhaltliche Idee stand. Das eine provoziert das andere. Seltsamerweise gleichen auch die formalen Vorlieben den inhaltlichen Interessen. Ich mag z.B instabile Bilder, die jederzeit zusammenbrechen oder sich auflösen könnten. Gleichzeitig interessieren mich psychische oder zwischenmenschliche Zustände, die sich auf einem Kipppunkt befinden, die unklar und ambivalent sind, wo zwischen zwei Kräften noch nicht entschieden ist, welches die stärkere ist.
Wie gehst du vor. Gibt es bei dir inhaltliche Themen, die dich beschäftigen oder gehst du eher von Bildideen aus, die dann eine Geschichte erzählen?
Für grössere installative Arbeiten steht im Kern eigentlich immer eine inhaltliche oder “emotionale” Fragestellung. Diese Fragestellungen werden aber oft über Bilder ausgelöst. Ich frage mich dann wieso mich gewisse Bilder oder Filme nie loslassen und indem ich dieser Frage nachgehe, stosse ich auf Theorien, neue Bilder, Ideen und weitere Materialien mit denen ich arbeiten kann. Ich forsche sozusagen daran, wieso mich etwas fasziniert. Im Dialog mit meinen ArbeitspartnerInnen versuche ich dann zu prüfen ob diese Auseinandersetzung auch für Andere interessant sein kann.
Bei “Black Milk” war die Situation insofern anders, als durch den Song bereits ein Thema oder ein Inhalt gesetzt waren. Die halbe Arbeit war schon getan und ich konnte wie gesagt sehr assoziativ an die Bildproduktion gehen.
In letzter Zeit hast du ja mehrere installative Videoarbeiten gemacht. Was machst du zur Zeit? Wann oder wo kann man wieder etwas von dir sehen?
Ich arbeite an mehreren kleinen Projekten gleichzeitig, die sich aber alle thematisch mehr oder weniger nahe stehen. Die Idee dahinter ist, einen Themenbereich oder ein Interesse von verschiedenen Seiten her gleichzeitig zu bearbeiten. Die Arbeiten sollten sowohl zusammen als auch alleine funktionieren, vergleichbar einer Werkgruppe. Was das “Thema” ist möchte ich nicht sagen, weil ich es für mich selbst bewusst noch unscharf halten möchte. Ein erstes Video wird ab August in Baden im Rahmen eines Projektes zu sehen sein, bei dem Kunstvideos auf einen Fels über der Stadt projiziert werden. Ausserdem läuft zur Zeit im Kunsthaus Baselland die Gruppenausstellung “The Art of Faillure” wo “Sad Song”, eine ältere Arbeit von Stella Händler und mir gezeigt wird und im Herbst soll eine grössere Gruppe von neuen Arbeiten in Basel gezeigt werden.
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www.freihaendler.ch
